Auf zum feministischen FLT*-Block beim tCSD 2012!

In diesem Jahr wird es beim transgenialen CSD einen feministischen FrauenLesbenTrans*-Block geben.

Samstag_Sonnabend, den 23.06., 13 Uhr

Treffpunkt: Ecke Am Treptower Park / Elsenstraße (vor dem Eingang von McDoof)

Aufruf (als .pdf-Datei / Kopiervorlage):

Yes, we are ‚gay’
yet it’s not all just ‚Glitter’ to us!

Wir leben immer noch in einem real existierenden Patriarchat. Dies stellen wir entgegen der Schönfärberei der Einen (malestream) und der blauäugigen Hoffnung der Anderen (auf eine allein diskursiv zu vollziehende Abschaffung der Geschlechter/verhältnisse) fest.
Wir sind weiterhin mit männlicher Herrschaft konfrontiert. Sie tritt in Form von objektiven gesellschaftlichen Verhältnissen, die strukturell und psychisch auf uns einwirken, sowie in Form von Männern als individuellen Trägern, die mit Mackersprüchen, Androhung und Ausübung von sexualisierter und nicht-sexualisierter Gewalt, bis hin zu Vergewaltigung agieren.
Sexismus, Homo- und Transphobie sind nach wie vor konstitutiver Bestandteil dieser Gesellschaft: Das Andere (Beauvoir) der männlichen Norm unterliegt vielfältigen Beschränkungen und Diskriminierungen. Diese nehmen Frauen, Lesben, Trans* den Raum für eigene Lebensweisen – sei es, daß wir mit gewalttätigen Übergriffen rechnen und uns daher selbst zurücknehmen, indem wir bestimmte Orte und Zeiten im öffentlichen Raum meiden, oder, daß reale Vorfälle direkt in unser Leben eingreifen.
Obwohl wir uns beständig Frei- und Schutzräume erkämpfen, sind wir immer wieder mit deren begrenzter Reichweite konfrontiert. So kam es nach einer Veranstaltung zum Internationalen Frauenkampftag diesen Jahres zu einem gewaltsamen Angriff. Veranstaltungsteilnehmerinnen, die dem Frauenbild der Angreifer nicht entsprachen, wurden als „zu männlich“ attackiert. Dies ist Ausdruck männlicher Herrschaftsansprüche.
Auch in den vermeintlich geschlechterlosen queeren Räumen sind wir mit Männergewalt konfrontiert. So kam es beim vorletzten tCSD  zu mehreren sexuellen Belästigungen und am Rande des letzten tCSD sogar zu einer Vergewaltigung!
Vorfälle dieser Art lassen uns, trotz Solidarisierung mit den Betroffenen, wütend und teils ohnmächtig zurück. Damit Wut und Ohnmacht aber in Ärger verwandelt und in konkrete Aktionen gegen diese Gewaltverhältnisse umgesetzt werden können, müssen diese zunächst artikuliert werden können. Dies wird uns aber auch in queeren Zusammenhängen schwergemacht. Das dortige Diskurs-Tabu, über Geschlechterverhältnisse als materiell existierende zu reden, macht es unmöglich, über herrschende und beherrschte Geschlechter zu reden und uns dabei parteilich zu positionieren.
Für die Einen erschöpft sich awareness[1] in einer diffusen, queer-‚feministischen’ gender-Kritik, die aber eine konkrete Benennung der Verhältnisse vermeidet. Dies konkretisiert sich in Ein-/Ausschlußdiskussionen, die quasi das Verbot aufstellen, daß sich FrauenLesben eigenständig organisieren (der immer wiederkehrende Separatismusvorwurf…). Bei anderen scheint noch nicht einmal ein grundlegendes Bewußtsein für Sexismus und Transphobie vorhanden zu sein. So sind selbst von einigen  tCSD-Teilnehmern Sprüche wie

äh nee, immer diese ätzenden Redebeiträge, das interessiert doch eh keinen!
die Lesben immer mit ihrem Extra-Ding

und Pöbelei gegen

Mannweiber
und
spaßbefreite Feministinnen

keine Seltenheit – und leisten damit einen Beitrag zu einer Atmosphäre, in der bei gewalttätigen Übergriffen kaum Schutz zu erwarten ist und sexistische und/oder transphobe Belästigungen als „nicht so schlimm“ heruntergespielt werden.

Warum wir also hier und heute als feministischer FLT*-Block  auf die Straße gehen: der tCSD ist für uns nicht lediglich alljährlicher Höhepunkt einer queeren Dauerparty, sondern eine politische Plattform, um unser Anliegen auszusprechen und durchzusetzen:

Wir verteidigen unsere Schutzräume – und gestalten sie nach unseren Bedürfnissen!

Dafür zeigen wir hier und heute Sichtbarkeit! Wir fordern mehr awareness ein, und wir solidarisieren uns mit allen von Sexismus, Homo- und Transphobie Betroffenen. Achtet aufeinander, nehmt Vorfälle immer und unbedingt ernst – Solidarität ist eine Waffe! Denn eines ist sicher:

Wir schlagen wirklich zurück!!

 

Am 15. eines jeden Monats ab 18 h:

FrauenLesbenTrans*-VV

Im New Yorck im Bethanien, Südflügel

Mariannenplatz 2 [Eingang von der Waldemarstr. aus], 10999 Berlin-Kreuzberg

(U-Bhf. Görlitzer Bahnhof [U 1] und Kottbuser Tor [U 1 und U 8])

 

Am 15. Juli 2012:

18 – 20 h: AG 1: Wir lernen weiter, unseren Blog immer schön aktuell zu gestalten und parallel AG 2: Wir malen unsere Transpis für den Slutwalk 2012.

Ab 20 h: Austausch, Aktuelles, Aktion: Halbjahresplanung, Slutwalk, Finanzen

https://frauenlesbentrans.wordpress.com

 


[1] awareness = das Bewußtsein von und die Parteilichkeit gegen, z.B. sexistische bzw. sexualisierte und rassistische Gewalt und Diskriminierung.

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